Schranner – „Als Bürgermeister den Kontakt zum Bürger halten“

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Interview mit CSU-Bürgermeister-Kandidat Johann -Hans- Schranner.

Bürgersicht führte das Interview im Anschluss an die Kandidatenkür der Geisenfelder CSU am 31.Oktober 2013. Johann Schranner wurde dabei mit 42 von 44 gültigen Stimmen zum Bürgermeister-Kandidat für die Kommunalwahl am 16. März 2014 gewählt.

Bürgersicht: In den letzten Wochen und Monaten bläst dem derzeitigen Bürgermeister der Wind des Widerspruchs besonders stark und für ihn ungewohnt direkt ins Gesicht. Was sich dabei besonders in Geisenfeld zeigt: Es reicht nicht mehr aus nur Bürgermeister sein zu wollen, man muss es schon auch können.
Warum ist „Bürgermeister“ für sie erstrebenswert?

schrainter-4Johann Schranner: Ich möchte, dass es in unserer Großgemeinde wieder vorwärts geht.
Zu Beginn der derzeit laufenden Wahlperiode wurden noch einige Projekte abgeschlossen, die bereits das Vorgänger-Gremium unter Bürgermeister Alter auf den Weg gebracht hatte.

In letzter Zeit jedoch konnte man den Eindruck gewinnen, es sei Stillstand eingekehrt – ich sage nur: Altes Rathaus! Oder – Die Situation ist ziemlich festgefahren – Feuerwehrgerätehaus Zell!
Auch sonst sind Anträge gestellt, aber die liegen in den Schubladen, und harren auf die Behandlung im Stadtrat.

Aber selbst endlich gefasste Beschlüsse lassen auf ihre Umsetzung warten …

Sollten sie am 16. März 2014 gewählt werden, wären sie mit 44 Jahren ein relativ junges Stadtoberhaupt.
Eventuell zu Jung um die Geschicke einer Stadt mit jetzt über 10 Tsd. Einwohner verantwortlich managen zu können?

Wirklich jung war ich 1984, also vor fast 30 Jahren, als ich zum ersten Mal als Zuschauer bei einer Stadtratssitzung in Geisenfeld saß. Der Bürgermeister hieß damals noch Anton Wolf. Mein Interesse für die heimische Kommunalpolitik wurde geweckt, weil ich früh erkannt habe, dass ich als Bürger in vielfacher Hinsicht von den Auswirkungen der im Rathaus getroffenen Entscheidungen persönlich betroffen bin und zukünftig auch sein werde.

Seit dieser Zeit habe ich das Geschehen im und um den Geisenfelder Stadtrat als interessierter Beobachter verfolgt und durfte es seit 2008 als Stadtrat auch aktiv mitgestalten.

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Schranner und die Stadtratskandidaten -Zum vergrößern Bild anklicken

In der Regel tritt man nicht zu einer Wahl an, weil man es genauso machen möchte wie der Amtsinhaber.
Worin würden sie sich denn in der Amtsführung von der des jetzigen Bürgermeisters unterscheiden wollen?

Durch eine korrekte Arbeitsweise, ausschließlich zum Wohl der Allgemeinheit.

In fairer Zusammenarbeit und unter Einbindung aller Stadträte, Referenten, Ortssprecher und des Stellvertretenden Bürgermeisters.
Nur so kann das Potenzial des Stadtratsgremiums zum Vorteil für die Bürger genutzt werden.

Meine feste Überzeugung: Der neue Bürgermeister sollte fähig und gewillt sein, das Wissen, Können und die Lebenserfahrung eines jeden einzelnen Ratsmitglieds einfließen zu lassen in eine gute, tragfähige, und vermittelbare Entscheidung.

Das wäre jetzt ihre Rathaus-interne Arbeitsweise. Was käme dabei in der Stadt und den Ortsteilen für die Bürger Geisenfelds dabei rum?

schrainter-3Bei allen Herausforderungen die in den nächsten Jahren auf uns zukommen werden muss eines ganz klar sein: Der Bürger steht im Mittelpunkt. Ich weiß, das wurde und wird den Bürgern andauernd, an jeder Ecke und von allen Kandidaten und Politikern erzählt. Trotzdem bleibt es für mich das Maß allen Handelns. Für mich sind das keine leeren Worthülsen.

Als Bürgermeister möchte ich stets einen guten Kontakt halten zu den Bürgerinnen und Bürgern in der Stadt und den Ortsteilen. Und ganz wichtig: Diesen auch nicht während der Amtszeit verlieren. Und damit meine ich nicht von irgendwelchen Bühnen von oben herab zu den Bürgern zu sprechen, sondern bei sich bietenden Gelegenheiten m i t ihnen zu reden.

Als sie sich 2008 „nur“ um einen Platz im Stadtrat bewarben, verteilten sie im Wahlkampf Zündholzschachteln mit ihrem Bild drauf. Wird es auch diesmal, eventuell etwas größere, der Bedeutung der angestrebten Position angepasste Aufmerksamkeiten geben?

Also – die Zündhölzer waren echt der Renner! Da habe ich viel positive Resonanz drauf bekommen.
Die werden bereits wieder erwartet. Darüber hinaus natürlich noch ein paar weitere, pfiffige Ideen – der Bedeutung angepasst – Sie haben es ja in Ihrer Frage schon treffend vorweg genommen!

Aber: Wir bleiben bei „Klasse“ statt „Masse“ – und das wird sich auch durch weitere gute Ideen unserer Listenkandidaten fortsetzen.

Sie sind der profilierteste Widersacher einer Umgehungsstraße wie sie bisher für Geisenfeld geplant wurde.
Stellen sie sich mit dieser Antihaltung nicht gegen die Interessen der Bürger, die sich von einer Umgehungsstraße eine spürbare Entlastung des innerörtlichen Verkehrs erhoffen?

schrainter-2Als Anlieger der vom Verkehr besonders massiv betroffenen Augsburger Straße dürfen Sie mir die Ernsthaftigkeit und die Einsicht in die Notwendigkeit einer spürbaren, baldigen, und realisierbaren Verkehrsentlastung glauben.
Doch dem kostspieligen Bau dieser Umgehungsstraße NORD , welcher eine nennenswerte Entlastung erst mit einer Fortsetzung durch eine Umgehungsstraße SÜD bringt, stehe ich weiterhin kritisch gegenüber.

Aber selbst konstruktive Kritik war in den zurückliegenden Jahren nicht erwünscht und anderweitige, durchaus naheliegende Lösungsansätze zu diesem Thema wurden konsequent ausgeblendet.

Doch aufgrund der eingetretenen Entwicklung der letzten Jahre hat diese Nord-Variante aber allenfalls noch langfristige Bedeutung. Gegen eine baldige Entlastungswirkung sprechen : Die Rückstufung der zweiten Umgehungsstraße, also kein Bau der SÜD-Spange durch den Freistaat in den nächsten 15 bis 20 Jahren, Sparzwänge an höchsten Stellen, die vorrangige Forderung nach „Unterhalt statt Neubau“, die allgemeine Verkehrsentwicklung und seit neuestem auch noch die Diskussion zur Lkw-Maut auf Bundesstraßen.

Immer mehr Bürger stimmen deshalb mit mir darin überein, dass es keinen Sinn macht, NORD allein, sofort und um jeden Preis zu bauen.
Doch auch ohne unnötige finanzielle Risiken eingehen zu müssen, können wir trotzdem vorausschauend die mögliche Trasse von einer Bebauung frei halten und den Grunderwerb dafür redlich und gezielt weiter betreiben.

Klingt ja alles sehr vernünftig und durchdacht. Doch an der derzeitigen Verkehrssituation ändert das gesagte nicht das Geringste.

Gerade weil die Lösung mit einer Nord-Südumfahrung noch viele Jahre dauern wird, dürfen wir keinesfalls die kurz- und mittelfristigen Lösungsansätze aus den Augen verlieren.
Zum Beispiel sollten wir nicht nachlassen an geeigneter Stelle die Verwirklichung einer großräumigen Umfahrung und die verbesserte Beschilderung zur Vermeidung des Durchgangsverkehrs anzustreben.
Gleichzeitig müssen wir aber auch bei unseren Neubaugebieten die überfälligen Hausaufgaben machen. An erster Stelle: Rückwärtige Ausfahrten aus den Neubaugebieten für den Innerorts- und Quell-Ziel-Verkehr.

Um es noch mal zu verdeutlichen:
Wir müssen kurzfristig Schritte unternehmen, und bereits in den nächsten Jahren eine spürbare Verkehrsentlastung herbeiführen.
Nur so können wir der lärm- und verkehrsgeplagten Bevölkerung vielleicht schon in der nächsten Stadtratsperiode helfen!
Aber auch die langfristige Möglichkeit einer Umgehungsstraße soll man nicht grundsätzlich „ver- bauen“.

Herr Schranner, wir danken für das Gespräch.

Über Bernd Schuhböck

Nicht nach heutigen, jedoch nach den Maßstäben der Ära Willy Brandt politisch eher linksliberal. Wer ihn missverstehen möchte, nennt ihn einen Sozialromantiker. Wer ihn kennt, wertkonservativ und mit zu viel Ethos für einen Bayer. Der Mann für´s kommunale, soziale oder sonstwie politische. Oder für Themen, für die sich keiner fand, der sie aufgreifen wollte.

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